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Projektbeschreibung

Motivation

In Deutschland werden im öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) jährlich rund 10 Mrd. Fahrgäste transportiert, wovon die Deutsche Bahn allein ca. 27 % befördert. Die Reisenden erwarten in den Fahrzeugen und Bahnhöfen ein hohes Niveau an Sicherheit, das durch entsprechende Maßnahmen gewährleistet werden muss. Die Herausforderung besteht dabei darin, Sicherheit mit wirtschaftlich tragbaren Maßnahmen zu realisieren.

Ziele und Vorgehen

Das Projekt WiSima erarbeitet Vorschläge, mit denen eine Verbesserung des Sicherheitsempfindens der ÖPV-Fahrgäste erreicht werden kann. Maßnahmen zur Erhöhung des Sicherheitsempfindens sollen dabei auf ihre Wirksamkeit und auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden.

Mit einer speziellen Bewertungsmethode werden vorhandene Maßnahmen, wie z.B. die Videoüberwachung in Bahnen und Stationen erfasst und hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit bewertet. Dabei wird insbesondere die Sicherheitskommunikation analysiert, da diese einen zentralen Einfluss auf die Sicherheitswahrnehmung der Reisenden hat. Die kognitiven und affektiven Handlungsmuster der Fahrgäste sollen dabei berücksichtig werden, um ein möglichst facettenreiches und genaues Verständnis für die Empfindungen der ÖPV-Nutzer zu bekommen. Dieser interdisziplinäre Ansatz berücksichtigt zudem, welche zu welchen Investitionen ÖPV-Betreiber bereit sind und welche technologischen Trends zukünftig relevant werden.

Das Projekt wird in mehrere Arbeitsschritte gegliedert. Zunächst wird der aktuelle Forschungsstand erfasst und ausgewertet. Es sollen hierbei Forschungsansätze aus der Sicherheitsökonomie, Sicherheitspsychologie und Sicherheitskommunikation ausgewertet werden, die Aufschlüsse über das subjektive Sicherheitsempfinden der ÖPV-Fahrgäste geben. Basierend auf diesen Erkenntnissen und einer explorativen Studie, bei der ÖPV-Fahrgäste mittels digitaler Technik in Echtzeit über ihr Sicherheitsempfinden befragt werden, werden Sicherheitsmaßnahmen für die Erhöhung des subjektiven Sicherheitsempfindens abgeleitet und von Experten bewertet.

Am Ende dieses Prozesses stehen Sicherheitsmaßnahmen, die aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet werden. Die dann vorgeschlagenen Sicherheitsmaßnahmen sollen modular ausdifferenziert werden, so dass für unterschiedliche ÖPV-Betreibertypen verschiedene Maßnahmenbündel vorgeschlagen werden können.

Projektpartner sind die Freie Universität Berlin (Koordinator), die Universität Bremen, die Technische Hochschule Wildau und das Fraunhofer- Institut für Offene Kommunikationssysteme sowie die Deutsche Bahn AG.

Innovationen und Perspektiven

Die Innovation des WiSima-Projekts besteht in der Kombination verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungsmethoden aus der Sicherheitsforschung und der Zusammenarbeit mit einem führenden ÖPV-Betreiber.

Der interdisziplinäre Ansatz entlehnt Konzepte der (sozial)psychologischen Risiko- und Sicherheitsforschung (Freie Universität Berlin), der Sicherheitskommunikation (Universität Bremen) und der Sicherheitsökonomie (Technische Hochschule Wildau). Dadurch ist sichergestellt, dass sowohl die Wirksamkeit als auch die Wirtschaftlichkeit von vorgeschlagenen Maßnahmen mitgedacht werden. In diesem Zusammenhang wird auf die Erfahrung und Expertise der Deutschen Bahn AG zurückgegriffen. Die als starker Projektpartner an dem Vorhaben teilnimmt.

Vorschläge zur Verbesserung der empfundenen Sicherheit der Fahrgäste orientieren sich somit an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit und machen diesen Forschungsansatz attraktiv für ÖPV-Betreiber, die vor dem Hintergrund betriebswirtschaftlicher Erwägungen an praxistauglichen Vorschlägen interessiert sind. Da zudem aktuelle Technologietrends mitberücksichtigt werden, ist zu erwarten, dass die zukünftigen Forschungsergebnisse über längere Zeit nicht an Aktualität einbüßen werden.

Die facettenreiche Analyse des empfundenen Sicherheitsgefühls der Fahrgäste ist Ausgangspunkt des Projekts. Sowohl klassische Alltagssituationen, die im Vordergrund stehen, als auch aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen, die auf das subjektive Sicherheitsgefühl wirken, sollen mitberücksichtig werden. Das Sicherheitsempfinden soll dabei u.a. digital in Echtzeit erforscht werden. Für die Entwicklung einer entsprechenden App wird das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) die Expertise bereitstellen und eng mit den Projektpartnern zusammenarbeiten.

Bei dem Vorhaben das Sicherheitsempfinden der ÖPV-Fahrgäste wirkungsvoll zu erhöhen, werden die WiSima-Projektpartner von der Bundespolizei, den Berliner Verkehrsbetrieben, dem Verkehrsbetrieb Potsdam und der Tegernsee-Bahn begleitet.